Auf dieser Seite wird es Gedichte des grossen steirischen Dichters Peter Rossegger zu lesen geben. Täglich wird eines dazu kommen. Macht bei der Lektüre euer Herz auf, denn er verstand es zu berühren. Und nun viel Freude damit.

 

Ein Freund ging nach Amerika

Ein Freund ging nach Amerika
Und schrieb mir vor einigen Lenzen:
Schicke mir Rosen aus Steiermark,
Ich hab' eine Braut zu bekränzen!

Und als vergangen war ein Jahr,
Da kam ein Brieflein gelaufen:
Schicke mir Wasser aus Steiermark,
Ich hab' ein Kindlein zu taufen!

Und wieder ein Jahr, da wollte der Freund,
Ach, noch was anderes haben:
Schicke mir Erde aus Steiermark,
Muss Weib und Kind begraben!

Und so ersehnte der arme Mann
Auf fernsten, fremden Wegen
Für höchste Freud', für tiefstes Leid
Des Heimatlandes Segen.

P.Rosegger

Dieses Gedicht gibt es auch als sehr, sehr schönes Lied. Hier kannst du es anhören, wenn du auf den folgenden Link klickst : https://www.youtube.com/watch?v=VlWg9UdZpnA

 

**********************************************************

Ein bißchen mehr…


Ein bißchen mehr Friede
und weniger Streit,
ein bißchen mehr Güte
und weniger Neid,
ein bißchen mehr Liebe
und weniger Haß,
ein bißchen mehr Wahrheit,
das wär doch schon was.

Statt soviel Hast
ein bißchen mehr Ruh’.
Statt immer nur ich
ein bißchen mehr Du!
Statt Angst und Hemmungen
ein bißchen mehr Mut
und Kraft zum Handeln,
das wäre gut.

Kein Trübsinn und Dunkel,
mehr Freude und Licht.
Kein quälend Verlangen,
ein froher Verzicht
und viel mehr Blumen
so lange es geht,
nicht erst auf Gräbern,
da blühn sie zu spät...

 

*******************************************************************************************

 

***********************************

Peter Rosegger : Därf ih 's Dirndl liab'n

(Für jene, die mit Dialekt nicht klarkommen gibt es das Gedicht unten in Hochdeutsch)

Ih bin jüngst verwichn
Hin zan Pforra gschlichn:
"Därf ih 's Dirndl liab'n?"
"Untasteh dih nit, ba meina Seel,
Wonst as Dirndl liabst, so kimst in d Höll!"

Bin ih vull Valonga
Zu da Muada gonga:
"Därf ih 's Dirndl liab'n?"
"O du feiner Knob, es is noh zfrua,
Wort bis d zeiti wirst, mei liaba Bua!"

Woar in großn Nötn,
Hon ih n Vodan beten:
"Därf ih 's Dirndl liab'n?"
"Duners Schlagl!" schreit er in sein Zurn,
Willst mein Steckn kostn, konst es tuan!"

Wos is onzufonga?
Bin zan Herrgott gonga:
"Därf ih 's Dirndl liab'n?"
"Ei jo freilih", sogt er und hot glocht,
"Wegn an Büaberl hon ih s Dirndl gmocht!"

*****

Ohne Dialekt in Hochdeutsch

Peter Rosegger : Darf ich das Mädchen lieben ?

Ich bin zum Pfarrer hingegangen;
"Darf ich das Mädchen lieben ?"
"Untersteh dich ! Bei meiner Seele
wenn du das Mädchen liebst, dann kommst du in die Hölle"

So bin ich voll Verlangen
zu meiner Mutter hingegangen
"Darf ich das Mädchen lieben ?"
"O, mein lieber Bub(Knabe), es ist noch zu früh
warte bis die Zeit da ist mein liebes Kind"

Ich war in grossen Nöten
und hab den Vater gebeten
"Darf ich das Mädchen lieben ?"
"Donnerwetter !" schreit er im Zorn
"Willst du meinen Prügel kosten, dann kannst du es tun"

Was ist blos anzufangen...
Ich bin zum Hergott gegangen
"Darf ich das Mädchen lieben ?"
"Aber natürlich" sagte er und hat gelacht
"Denn wegen dem Knaben hab ich das Mädchen doch gemacht"

************************************************

Die Tiere

 

Es ist als Mensch deine heilige Pflicht,
den Tieren, die dir ihr Dasein weihn,
ein gütiger, milder Schutzherr zu sein.
Das Tier hat ein fühlendes Herz wie du,
das Tier hat Freude und Schmerz wie du,
das Tier hat ein Recht zu leben wie du.
Nicht viel sind dir, Mensch, der Tage gegeben,
doch kürzer noch ist des Tieres Leben.
Und muß es dein armer Sklave schon sein,
in dunkler Nacht wie im Sonnenschein,
und opfert es dir seine Kraft und Ruh,
und wendet dir all seine Neigung zu,
oder flieht es dich angstvoll, weil es ihm scheint,
du seiest sein allergrößter Feind,
o, sei sein Schutzherr! Es kann nicht klagen
den Schmerz, kann dir seinen Dank nicht sagen,
o, sieh sein flehendes Auge an,
es blickt eine verwunschene Seele dich an!

***********************************************

 

An die Steiermark

Gottbegnadet Land! Zur Maienzeit
Sei dir, Styria, ein Strauß geweiht.
Du bist göttlich schön. Die Felsenstirn
Stolz gekrönet mit diamant'nem Firn!
Leuchtend als dein Aug' die klaren See'n,
Wo als Brau'n die heiligen Tannen steh'n.
Hier die gold'nen Aehren, dort die Neben
Froh um deinen Busen Kränze weben,
Und allda, wo anderwärts der Spaten
Nichts zu finden weiß, als ewigen Schatten,
Tief in deiner Berge treuem Herzen
Bist du reich an unschätzbaren Erzen,
Deren Kraft der Erde Frucht erneut,
Deren Klang das reine Herz erfreut,
Deren Schall die Feinde macht erbeben.
Schön bist du und herrlich, mild und stark,
Noch im Grabe weltaufbauend Leben
Birgst du, hochgeliebte Steiermark.

 

***********************************************************

Nach oben