Fasching

Nicht nur der köstliche, frische Faschingskrapfen läutet die Faschingszeit ein: Rund um den Fasching gibt es eine Fülle an brauchtumsbezogenen Besonderheiten wie das „Faschingsrennen“ oder das Umherziehen von „Flinserl“ und „Pless“. Oder wussten Sie beispielsweise, dass es „Trommelweiber“ gibt, welche den Winter im Ausseerland mit ihren Trommeln fortschicken?


In der Faschingszeit hält die Steiermark so manche Überraschungen bereit, alte Bräuche und moderne Festzüge bringen Farbvielfalt in die abklingende Winterzeit. Das so genannte Blochziehen, ein Fruchtbarkeitsbrauch in der Faschingszeit, bezieht sich auf den Bloch, einen Baumstamm, der heute meist mittels Traktor durch das Dorf gezogen wird. Oft erfolgt der Brauch in Kombination mit einer regionalen Blaskapelle, die für die Stimmung sorgt und zum Feiern anregt.

Aus dem Faschingstreiben nicht wegzudenken ist das beliebte Faschingsrennen: Das Faschingsrennen am Faschingsmontag gehört zu den ältesten Bräuchen in der Region Murau. Die Schellfaschingsgruppe und die Rossgruppe ziehen aus, um am Dorfplatz einen Kreistanz zu tanzen und dann von Hof zu Hof zu laufen. Maskierte Figuren bewegen sich im Dauerlauf von Haus zu Haus, der Wegauskehrer läuft hier mit. Der Erste ist aber immer der so genannte Hühnergreifer, gehüllt in Federn mit Federmaske, der nach Gaben Ausschau hält. Seine Gestalt ist durch den Federschmuck sehr auffällig, ihm werden Hafer und Eier als Geschenke dargebracht – und wer hierauf vergisst, ja dem werden die Eier vom Hühnergreifer aus dem Stall genommen. Bis zum Abend um 19:00 Uhr muss der Lauf sein Ende finden, da darf der Wegauskehrer zum letzten Mal den Besen schwingen und ein Kranzl drehen.

Ein richtiger Geheimtipp ist der Fasching im Ausseerland. Seit dem 17. Jahrhundert bestehen einige Bräuche bereits und werden seither weitergepflegt. Drei Begriffe, die aus dem Fasching in dieser Region nicht wegzudenken sind, sind die Flinserl, die Trommelweiber und die Maschkera.

Wer sich jetzt fragt, was der Begriff Maschkera bedeutet: Ja, so nennt man im Ausseerland im Allgemeinen maskierte Gestalten im Fasching, die auf den Straßen tanzen und dabei Scherze machen. Im Ausseerland existieren verschiedene Faschingsbräuche, die sich je nach Orten unterschiedlich entwickelt haben. Ein wichtiges Beispiel dafür sind die bekannten Trommelweiber, die 2017 ein Jubiläum feiern. Die originalen Ausseer Trommelweiber gibt es seit 1767, der Brauch selbst soll auf noch spätere Wurzeln zurückgehen. AmFaschingsmontag ziehen diese Gestalten in weißen Gewändern durch die Straßen, angeführt von einem Fahnenträger mit einer Maschkerafahne im Begleitton der lauten Schläge der großen Trommeln. Mit diesem Trommellärm soll der Winter ausgetrieben werden, der von früh bis nachmittags durch die Orte schallt. Dabei werden die Beigl mitgetragen, ein Fastengebäck, das schon über 500 Jahre lang von den Ausseern im Fasching verkostet wird. Ein frischer Beigl hat eine runde Form und wird dann von zwei Personen mit Geschick auseinander gerissen, das so genannte: „Beiglreißen“. Wer Talent hat, erhält beim Beiglreißen das größere Stück vom leckeren Beigl.

Am Faschingsdienstag folgen dann die nächsten Figuren, nämlich die so genannten Flinserl: Die bunten, schillernden Gewänder der Flinserl werden aufwändig in Handarbeit hergestellt, die Gestalten sind freundlich und fröhlich; aus ihrem Beutel werfen die Flinserl den Kindern Nüsse zu.

Zu diesem bunten Treiben gesellen sich ebenso die Pless. Diese Figuren stellen den Winter dar, der nun im Fasching vertrieben werden soll. Die Pless-Gestalten sind in alte, weiße Gewänder gehüllt und tragen einen Bienenkorb am Kopf. Aber aufgepasst! Obwohl ihre Sicht durch die Körbe eingeschränkt ist, tragen sie einen Stock in der Hand, an dem ein nasses Tuch befestigt ist und sie laufen durch die Gassen und überraschen Zuschauer mit ihrem Gebrüll Pless, Pless ... und ihren nassen Tüchern. Vor den nassen Tüchern sollte man sich lieber hüten. Die Kinder hingegen jagen den Pless und ihren Tüchern hinterher. Auf diese Weise treiben die Kinder die Pless, also metaphorisch den kalten Winter, mit gemeinsamer Kraft aus dem Ort hinaus.

Kulinarisch darf man im Fasching nicht verpassen: Die bekannten runden Faschingskrapfen und weniger bekannten länglichen Stanglkrapfen. Und natürlich die Beigl zum Beiglreißen.

 

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